„Die Chemie ist durchgehend gut“

Im Rahmen eines Schülerpraktikums hat Johann Grützner unsere Arbeit 14 Tage lang unterstützt. Hier beschreibt er seine Erfahrungen:

„Wenn ich jetzt am Ende der zwei Wochen auf meine Erwartungen gucke, bemerke ich, dass so gut wie alle Erwartungen erfüllt wurden und ich ein sehr erfolgreiches Praktikum hatte.

Ich wurde von Anfang an in die Arbeit integriert, so dass ich nach einer Woche auch eigene Fälle mit den Bewohnern besprechen konnte und nach Lösungen gesucht habe. Das ganze Wohnheim  arbeitet hierbei als Team und die Chemie ist durchgehend gut.

Auch wenn mein Praktikum eigentlich  ,nur‘ als Sozialarbeiter stattfand, konnte ich in mehrere Berufe und bei verschiedenen Menschen in den Arbeitsalltag gucken … Somit half mir mein Praktikum, um festzustellen, dass ich mich bei der Arbeit im Menschen sehr wohl fühle und mir soziale und pädagogische Arbeit in der Zukunft als Beruf vorstellen kann. Mein Priorität liegt im Moment beim Erreichen der Fachhochschulreife, damit ich mir für die Zukunft alle Möglichkeiten offen halte.“

Johan, wir danken Dir für deinen Einsatz, es hat Spaß gemacht mit Dir, alles Gute !

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Foto: EFG-Flüchtlingswohnheime, Irene Wegener

Wir freuen uns über Franka und Dilara! Sie absolvieren zur Zeit ein 14-tägigesSchulpraktikum in unserem Haus.

Dilara wurde 2005 in Aleppo geboren und flüchtete bei Ausbruch des Krieges mit ihrer Familie von Syrien nach Deutschland. Seit einem Jahr lebt sie in Hannover und besucht die Schule.

Franka wurde 2007 in Hannover geboren und besucht auch die Schule. Es ist ihr Wunsch, später eine Ausbildung in einem sozialen Beruf zu beginnen.

In ihrer ersten Praktikumswoche haben die beiden einige Tage in unserem Flüwokindergarten verbracht. „Ich wusste gar nicht, dass es hier einen echten Kindergarten gibt“, sagt Dilara. „Es macht Spaß, mit Kindern zu spielen, die aus so unterschiedlichen Ländern kommen.“

Gerne nehmen wir Menschen hinein in unsere Arbeit. Wenn Sie sich für ein Praktikum in unseren Flüchtlingswohnheimen interessieren, melden Sie sich gern bei Irene Wegener (Leitung).

Die Idee war frappierend: Mit einer Menschenkette quer durch Europa von der Nordsee bis zum Mittelmeer sollte auf die unhaltbare Situation der Flüchtenden hingewiesen werden, die auf der gefährlichen Flucht-Route übers Mittelmeer ihr Leben riskieren. Es sollte ein Zeichen der Solidarität mit all jenen Menschen sein, die zum Teil unvorstellbares Leid, Gewalt sowie Entbehrungen ertragen müssen und denen jegliche Perspektive auf ein Leben in Würde fehlt.

Dazu sollte am 18. September an möglichst vielen Stellen in Deutschland, Österreich und Italien eine Menschenkette gebildet werden – über 300 Organisationen hatten sich diesem Ziel angeschlossen. Und wir in Hannover waren dabei mit einer Aktion, die vom AK Weltverantwortung, dem Flüwo sowie dem Netzwerk Flüchtlingshilfe und Menschenrechte initiiert wurde. Von 12.00 bis 12.30 Uhr wurde eine Menschenkette auf der Hildesheimer Straße gebildet vom Flüwo Grazer Straße bis fast zu unserem Gemeindezentrum mit ca. 150 Personen.

Gleichzeitig fand eine kleine Kundgebung statt: Dang Chau Lam vom Vietnamesischen Zentrum Hannover erinnerte an die Aufnahme von Boat People in Niedersachsen in den 1970iger Jahren, Irene Wegener verlas ein Grußwort von Doris Schröder-Köpf, der Beauftragten des Landes für Migration, und Antonio Umberto Riccò las Auszüge aus seinem Theaterstück Das Boot ist voll, welches sich mit den Katastrophen auf dem Mittelmeer beschäftigt.

Beteiligt an der Aktion waren engagierte Menschen aus Hannover, Bewohner*Innen der Flüchtlingswohnheime sowie Mitglieder unserer Gemeinde. Eine Teilnehmerin berichtet, dass sie selbst vor 20 Jahren mit einem Boot über das Mittelmeer geflüchtet sei und deshalb wisse, wie wichtig die Hilfe für diese Menschen sei.

Als Abstandshalter in der Kette diente ein schmales Banner mit der Aufschrift: Rettungskette für Menschenrechte. Gleichzeitig war das Banner aber auch die Verbindung unter den Menschen, das gemeinsame Eintreten für ein lebenswertes Leben für alle.

Mehr unter https://www.rettungskette.eu

Foto: Klaus Strempel (Netzwerk Flüchtlingshilfe und Menschenrechte, Mitinitator der Aktion für Hannover), Irene Wegener (Leiterin Flüchtlingswohnheim), Frank Hellberg (ebenfalls Mitinitator)

Wir möchten Ihnen eine neue Initiative der Flüchtlingswohnheime vorstellen: das Leylaprojekt.

Hilfe für Kinder in Flüchtlingslagern:
Sie haben sicher auch davon gehört – in den Flüchtlingslagern des Nahen Ostens wächst eine Generation von traumatisierten Kindern unter katastrophalen Bedingungen heran. Das muss nicht so bleiben. Denn traumatisierte Flüchtlingskinder können emotional gefestigt werden, wenn ihre Mütter ihnen die Erfahrung von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.

Die Mütter stärken – Traumafolgen überwinden:
Wir bilden einheimische Traumaberaterinnen aus. Sie gehen in Flüchtlingscamps, stärken die Mütter und befähigen sie dazu, die seelische Gesundheit ihrer Familie nachhaltig zu verbessern.

Unsere Partner im Nahen Osten:
Wir freuen uns, dass wir mit einer erfahrenen Partnerorganisation zusammenarbeiten können. Das „Ithraa-Center“ arbeitet als interreligiöses Projekt seit vielen Jahren mit qualifizierten Psychologinnen und Therapeuten im Bereich der Flüchtlingshilfe im Libanon und in Jordanien.

Mehr Infos finden Sie unter leylaprojekt.de. Wir freuen uns, wenn Sie dieses Projekt mit Ihrer Spende unterstützen. Damit Kinder im Libanon und in Jordanien die Vergangenheit überwinden und seelisch gesund werden!

Herzliche Grüße vom Projektteam,

Michael Borkowski, Irene Wegener,
Dr. Ann-Katrin Bockmann, Dr. Tom Holmes,
Benedikt Elsner, Dr. Frank Hellberg,
Najem Al Khalaf, Ulrike Landt

Die Anzahl von erkrankten Bewohner*innen und Mitarbeitenden liegt  etwas unter dem Bundesdurchschnitt. Alle haben mit sehr viel Disziplin und Durchhaltevermögen mitgemacht und Hygiene- und Schutzmaßnahmen eingehalten. Die Wohnheime wurden bislang , Gott sei Dank,  nicht zum Hot-Spot.

Unsere räumlichen Voraussetzungen der Wohneinheiten für Familien und Einzelzimmer, bzw. max. Doppelzimmer für Alleinreisende  in der Grazerstr. haben es möglich gemacht, dass man sich besser in der Distanz aufhalten konnte, als in anderen Einrichtungen.

Unsere Mitarbeitenden haben oftmals unter Einsatz der eigenen Gesundheit die Möglichkeiten des direkten Kontaktes mit den Bewohner*innen zumeist möglich gemacht.  Das war auch gut so, denn Angst, Einsamkeit, Langeweile und Verlust des Arbeitsplatzes, eingeschränktes Arbeiten der Ämter und Gerichte haben zusätzlich auch viel Frust erzeugt.

Der Kindergartenbetrieb lief bis auf wenige Wochen im Frühjahr 2020 und konnte dann  als Notgruppe mit 7 Kindern fortgeführt werden. Sehr gut waren insbesondere für die Schulkinder die Angebote der Schübi-Mitarbeitenden. Dort erhielten die Kids Unterstützung für Schulaufgaben und Freizeitangebote.

Leider ruhen seit dem Frühjahr unsere Angebote Hildchen, Fahrradwerkstatt, Tafelausgabe und Nachmittagskinderangebot. Wir hoffen sehr, dass in den nächsten Monaten wieder alles neu ins Laufen kommt. Auch Ehrenamtliche der Flüchtlingswohnheime gehören neben Bewohnenden und Mitarbeitenden zu der zweiten Prioritätengruppe in der Impfreihenfolge.

Bis nun auch unter uns der Anteil der Geimpften und Genesenen größer wird, schützen wir uns und andere weiterhin durch Maskentragen und Hygieneregelungen. Sehr dankbar sind wir, dass nun die Bundesregierung in einer größeren Aktion uns FFP2-Masken zur Verfügung gestellt hat. So  hoffen wir auf einen besseren, freieren Sommer.

Es gehört zu den guten Traditionen unserer Einrichtung, den Tod uns nahestehender Menschen mit einem Foto und einer Kerze im Hauseingang bekannt zu machen. Wir möchten Raum für ein Gedenken bieten. Dort standen in den letzten Jahren Bilder von Bewohnern, aber auch von Menschen aus unserem Umfeld.

Nun steht dort das Bild von Thomas Schrader, mit dem wir seit 13 Jahren in guter Nachbarschaft und Freundschaft verbunden waren. Thomas Schrader verstarb am 8. Januar 2021, und wir sind traurig, dass er so früh von uns gegangen ist.

Wir sind aber auch sehr dankbar für seine Freundschaft und Verbundenheit mit den Menschen, die in unserem Haus leben und mit uns als Einrichtung. Vor nicht einmal einem Jahr brachte er uns das Friedenslicht aus Jerusalem.

Als langjähriger Vorsitzender des Kleingartens Tiefenriede ging Thomas auf seine Mitmenschen zu, sprach sie an und war interessiert. Was für eine wohltuende Eigenschaft. Lieber Freund, wir wünschen Dir einen guten Platz im Garten Gottes.

Das Haus ist weihnachtlich geschmückt. Der Tannenbaum wurde eine afghanisch-nigerianische und syrische Komposition. Nun werden die Nikolaustüten gepackt.

Leider gibt es auf Grund der Corona-Beschränkungen zum ersten Mal seit vielen Jahren keine Feier. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es trotzdem Geschenke geben wird!

Das vermutlich wichtigste Geschenk wird die Versorgung aller Bewohnerinnen und Bewohner in ihren Zimmern mit W-LAN sein. Nach Änderung der Rechtsprechung haben wir uns entschlossen ein Netzwerk im Haus anzubieten.

Wir freuen uns, im Flüwo eine Malgruppe anbieten zu können. Bewohnerinnen und Bewohner aller Altersgruppen treffen sich im zum freien Gestalten. Unter Anleitung von Anja Neideck (Freizeitheim Döhren) entstehen Kunstwerke mit Acryl- und Aquarellfarben auf großem Papier.

Es wird spontan und frei gemalt, ohne Themenvorgabe. Mit vielen leuchtenden Farben, mit Pinseln, Händen oder Schwämmen entstehen ausdrucksvolle Bilder. Die Malenden lernen, den eigenen Impulsen zu folgen und mit dem Material zu experimentieren.

Anja Neideck leitet die Gruppe begleitend an. Es wird ohne Druck und ohne Bewertung gemalt. So können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Neues ausprobieren, ihr inneres Leben ausdrücken und Entspannung finden.

Wir freuen uns, dass trotz Corona so etwas wieder möglich ist. Die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen.

dienstagnachmittags in 14-tägigem Rhythmus
in der Halle im Flüwo Hildesheimer Straße 161

Im Rahmen des Gottesdienstes am 27. September dankte die Gemeinde am Döhrener Turm der Leiterin der Flüchtlingswohnheime, Irene Wegener, für 25 Jahre engagierter Arbeit. Gemeindeleiter Marco Reuse (re.) würdigte den langjährigen Einsatz der tatkräftigen Sozialarbeiterin. Er dankte auch Pastor i. R. Michael Borkowski (hinten links), der – ebenfalls seit 25 Jahren – ehrenamtlich dem Leitungskreis der Flüchtlingswohnheime vorsteht. Auch Jürgen Bösche (hinten rechts) ist seit vielen Jahrzehnten für die Flüchtlingswohnheime im Einsatz.

Irene Wegener (56), gebürtig aus Bremen, arbeitet seit 25 Jahren im Flüchtlingswohnheim(FlüWo) der EFG am Döhrener Turm. 1995 begann die engagierte Christin als stellvertretende Leiterin, seit 2000 leitet sie das FlüWo. Erst an der Alten Döhrener Straße, ab 2007 den Neubau an der Hildesheimer Straße, der 2012 erweitert wurde (128 Plätze). 2016 kam das FlüWo in der Grazer Straße (100 Plätze) hinzu. Ebenso 2016 wurde Irene Wegener mit der Plakette für Verdienste um die Landeshauptstadt Hannover ausgezeichnet für ihre Flüchtlingsarbeit. Vom Beginn 1993 bis 2018 wurden im FlüWo 2700 Menschen begleitet. Momentan arbeiten 50 Menschen in den beiden FlüWos und einigen Wohnungen mit etwa 250 Flüchtlingen.

Das folgende Interview führte Ulrike Neufeldt für „Gemeinde aktuell“, das Monatsblatt der Gesamtgemeinde Hannover.

Euer FlüWo an der Hildesheimer Straße hat für die Stadt Hannover Vorzeigecharakter. Warum?

Die gute Akzeptanz des FlüWo war Beziehungsarbeit. Das Wohnheim sollte immer ein Ort mit offenen Türen sein, für die Bewohner, aber auch für die Nachbarn. Wir haben Feste veranstaltet und alle dazu eingeladen, haben Schulklassen dort gehabt, haben in das Leben im „Quartier“ investiert. Für mich war es immer wichtig, dass unsere sozialdiakonische Arbeit nicht nur in der Gemeinde stattfindet, sondern in Kooperation mit der Stadt, mit den Politikern, in einem Netzwerk. Wir feiern mit den Nachbarn, mit dem Kleingärtnerverein, dem VfL Eintracht und dem GDA-Wohnstift, Veranstaltungen. Und ich bin Mitglied im Integrationsbeirat. Dadurch sind wir im Stadtteil präsent.

Und mir ist es wichtig, dass Flüchtlinge eine gewisse wohnliche Qualität erwartet, dass sie saubere renovierte Wohnräume haben und eine Zimmertür hinter sich schließen können. Dazu kommt eine gute soziale Betreuung! So finden diese Menschen, die in einer sehr schwierigen Situation leben, einen stabilen äußeren Rahmen, der ihnen Sicherheit gibt. Früher wurden sie eher „verwahrt“, sie sollten möglichst bald wieder gehen. Aber schon mit der Ankunft fängt die Integration der Asylsuchenden an, wir sollten würdigen, dass es ihre Lebenszeit ist, Jahre, die sie in diesem Umfeld verbringen. Sie sollen dort nicht abstumpfen, sondern brauchen die Rückspiegelung „Du bist wertvoll, du bist wichtig, wir unterstützen dich, damit du in dieser Umwelt selbstständig wirst“.

Hast du Beispiele, wie das ankommt?

Vor zwei Jahren bei unserem 25. FlüWo-Jubiläum haben wir von einigen Ehemaligen erfahren, was aus ihnen geworden ist. Eine „Gang“ von Kids, die uns damals in der Kinderarbeit das Leben schwer gemacht hat, ist nun zu gutgeratenen jungen Menschen geworden! Ein Junge aus dem Kongo, der uns früher sehr viel Ärger gemacht hatte, meldete sich und dankte uns, dass wir ihn und seine Kumpels so akzeptiert hatten. Er war nach einigen Umwegen Christ geworden und ist jetzt Pastor! Da staune ich nur: „Was gehst du, Gott, manchmal für Wege?“

Es ist nicht immer so. Aber wenn wir Menschen unterstützen und in ihrer gottgegebenen Ebenbildlichkeit achten, kommt Bewegung in ihr Leben. Wir sehen, unser Einsatz in ihr Leben hinein hat Wirkung!  Wenn Menschen z.B. in Angst vor Abschiebung  zu uns kommen und wir unsere fachlichen Möglichkeiten ausgeschöpft haben, bieten wir an für sie zu beten. Der Kernsatz unserer Arbeit ist „Wir glauben, dass Gott möchte, dass dein Leben gelingt!“

Was ist für dich besonders schwierig in der Arbeit?

Zu hören, was in der Welt los ist, wenn z.B. eine Frau mir weinend erzählt, dass sie ihren dreijährigen Sohn im Mittelmeer verloren hat und ihr Mann in Griechenland im Lager festsitzt. Was soll man ihr noch sagen? Da nicht aufhören sich berühren zu lassen, ist eine große Herausforderung. Es tut weh sich dem auszusetzen! Wie viel Gewalt Menschen erlebt haben und wie manche – so traumatisiert – abrutschen in Drogenkonsum und Kriminalität. Da erscheint die Arbeit manchmal aussichtslos, aber wir geben die Menschen nicht auf, begleiten sie weiter und schauen, was wir machen können.

Was macht dich froh?

Ich bin sehr froh, dass wir keine ernsthaften Anfeindungen in all diesen Jahren hatten, Gott sei Dank. Und dass unsere Auftraggeber immer wieder sagen „Bitte macht weiter!“

Wo stehen wir in Deutschland fünf Jahre nach „Wir schaffen das“ von Frau Merkel?

Die Aussage ist in der Praxis erlebbar, aber es braucht sicher 12 bis 15 Jahre, bis Menschen hier etabliert sind. Jetzt haben wir einen Zwischenschritt erreicht. Es braucht ganz unterschiedliche Hilfen, damit der Migrationsprozess gelingt, z.B. ehrenamtliche Hausaufgabenhilfe, Wohnraum, Arbeit.

Wie kamst du zur Arbeit mit Flüchtlingen in Hannover?

Ich war nach dem Abitur für ein „Jahr für Gott“ in Brasilien beim Hilfswerk Terra Nova Mondai. Danach wollte auch ich mein Christsein und meine berufliche Tätigkeit verbinden. Ich habe „Soziale Arbeit“ an der FH Hannover studiert. In der Zeit gehörte ich schon zur Gemeinde am Döhrener Turm. Am Ende meines Studiums war die große Flüchtlingswelle wegen des Balkan-Kriegs hier angekommen. Bei der Arbeit in einem privat geführten Flüchtlingswohnheim erlebte ich 1992/93, wie ich es nicht machen würde.

1993 begann meine Gemeinde, ihr neugebautes Flüchtlingswohnheim an der Alten Döhrener Straße zu belegen. Heimleiter war Pastor Uwe Kühne, seine Stellvertreterin Sozialarbeiterin Brigitta Schadwinkel.  Dann wurde Michael Borkowski Pastor und damit Heimleiter, und Brigitta Schadwinkel hörte mit ihrer Arbeit auf. So bewarb ich mich 1995 als stellvertretende Heimleiterin. Daher haben Michael und ich beide vor 25 Jahren im FlüWo angefangen und nun gemeinsam Jubiläum. Wir konnten und können sehr gut miteinander arbeiten. Heute ist er Vorsitzender des Leitungskreises der FlüWos.

Wann war klar, dass diese Arbeit die richtige für dich ist?

Ich suchte eine Tätigkeit, von der ich wusste, dass Gott mich an dieser Stelle haben möchte. Kurz vor dem Bewerbungsgespräch für das FlüWo war der Gedanke da: „Wenn du dahin gehst und dich einfindest in diese Aufgabe, dann werde ich das segnen und mit dir  sein“. Das war Gottes Zusage für mich. Er hat mIch dahinein berufen und hat mir all die Jahre geholfen, diese Aufgabe zu erfüllen. Sicher musste ich es immer wieder neu prüfen „Was ist jetzt dran? Folge ich meinem Herrn noch?“

Und wie entwickelte sich die Arbeit?

IW: Wir hatten Mitte der 90er Jahre 150 Heimbewohner und etwa 20 Mitarbeiter. Dann kamen weniger Flüchtlinge, einige Häuser schlossen. Die Stadt Hannover wollte das Gelände verkaufen, auf dem unser Heim stand. Faszinierend war, dass der gesamte Stadtteil samt Politik sich hinter uns stellte mit dem Wunsch, dass das Flüchtlingsheim im Stadtteil blieb! Daher bot uns die Stadt das Grundstück an der Hildesheimer Straße an. Die Gemeinde sprach uns das Vertrauen aus, nahm Geld auf und baute ein festes Gebäude für die Flüchtlinge auf dem Erbbaupachtgrundstück. 2007 war das Wohnheim fertig und wir zogen um. Weil die Stadt mehr Plätze für Einzelpersonen brauchte (heute 2/3 der Belegung), bauten wir 2012 nochmal 42 Einzelzimmer an.

2014/15 kam die Flüchtlingswelle aus dem Nahen Osten, besonders aus Syrien. Wie hat sich das auf Hannover ausgewirkt?

Es mussten damals viele neue Flüchtlingsheime gebaut werden. Viele regionale Bauträger ließen sich von uns beraten, welche Standards für die Planung wichtig sind. Wir konnten klar Position zeigen, dass Flüchtlinge eine menschenwürdige Unterkunft brauchen. So sind viele Häuser entstanden, die ein ähnliches Konzept wie unseres haben. 2016 wurde mir daraufhin die Stadtplakette für Verdienste um Hannover verliehen – eine coole Aktion. 2016 hat uns die Stadt gebeten, das ehemalige Wichernstift in der Grazer Straße zu übernehmen. Es wurde für 100 Flüchtlinge umgebaut. Ein neues Team wurde gebildet, ehemalige Bewohner konnten wir im Pfortendienst anstellen. Wir kooperieren nicht wie andere Heimbetreiber mit einer Sicherheitsfirma. Außerdem hat die Stadt ein Haus mit 12 Wohnungen in der Nähe angemietet, das auch von unserem Team betreut wird. So haben wir jetzt durchschnittlich 250 Asylbewerber in unserer Betreuung.

Was wünscht du dir?

Dass wir als Gemeinde nicht dicht machen, denn wir sind nicht als Paradiesvögel in Gottes Welt gesetzt, sondern um darin zu leben und Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen. Alle Menschen sind Geschöpfe Gottes, in ihrer ganzen Vielfalt. Ich wünsche mir, dass Flüchtlinge durch unsere Arbeit fähig werden, in Deutschland gut anzukommen.  Und dass wir als Team frisch und berührbar bleiben in unserer Arbeit.

Wie geht es euch in Coronazeiten?

Wir mussten ehrenamtlichen Angebote unterbrechen: den Kleiderbasar „Hildchen“, die Fahrradwerkstatt, die „Tafel“-Ausgabe, die Kinderspielgruppe, Ausflüge und persönliche Einzelbetreuung. Wir gucken, wie wir das neu aktivieren können, unter Coronabedingungen ist es leider nicht leicht. Aber es beten viele für uns, das ist gut zu wissen.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Aktueller Hinweis: Leider kann unser Lebensmittel-Hilfsangebot wegen der Pandemie zur Zeit nicht durchgeführt werden, weil zu viele Menschen bei der Lebensmittelausgabe aufeinander treffen. Wir wünschen uns, dass wir unsere Flüwo-Tafel bald wieder anbieten können.
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Über die Tafel werden 80 Haushalte in unseren Wohnheimen mit Lebensmitteln versorgt. Wir danken der Hannöverschen Tafel e.V. für die langjährige gute Zusammenarbeit. Zweimal pro Woche wird die Ausgabe von Lebensmitteln im Gruppenraum des Wohnheims von den beiden vorbereitet und durchgeführt. Der meist friedliche Ablauf ist dabei ein Ergebnis der jahrelangen Erfahrung der beiden. Die Arbeit die sie tun, hilft vielen Familien, die am finanziellen Existenzminimum leben, ihre täglichen Bedarfe zu decken.

Teil des deutschen Wohlstands ist, dass nicht alle produzierten Lebensmittel auch benötigt werden. Vieles von dem, was überproduziert wird landet im Müll –  oftmals lange bevor die Mindesthaltbarkeit überschritten ist. Die Tafel steht in Kooperation mit verschiedenen Einzelhändlern, Bäckern und Supermärkten, und fängt diese Lebensmittel ab um sie an hilfebedürftige Menschen in ganz Hannover zu verteilen. So auch das Selbstverständnis der Hannöverschen Tafel: „Mit unserem Engagement wollen wir eine Brücke bauen zwischen Überfluss und Bedürftigkeit unabhängig von Nationalität, Konfession oder politischer Überzeugung unserer Gäste.“

Man kann sogar von einem integrativen Nebeneffekt sprechen, den unsere Ehrenamtlichen mit ihrer Arbeit erreichen. Denn die Bewohnerinnen und Bewohner lernen auf diesem Weg auch ein Stück deutsche Küche kennen. Weißer Spargel war vielen unbekannt und wurde skeptisch beäugt. In solchen Fällen stehen die Helferinnen sehr gerne mit Kochtipps zur Seite.  Auch das Vollkornbrot – von vielen anfangs verschmäht – freut sich mittlerweile wachsender Beliebtheit.

Wir sind dankbar, dass unsere Bewohnerinnen und Bewohner von so vielen Seiten und Bereichen unserer Gesellschaft Hilfe erfahren, gesehen werden und in ihrer Lebenssituation nicht alleine gelassen werden.

Mithelfen?

Um eine möglichst große Flexibilität gewährleisten zu können, suchen wir für unser Team ständig weitere Mitarbeitende für die Lebensmittelausgabe im Flüwo. Wenn Sie sich für eine ehrenamtliche Tätigkeit bei unserer Tafel interessieren, freuen wir uns auf Ihren Anruf bei unserer zuständigen Sozialarbeiterin Hannelore Ott-Stadlbauer unter Telefon: 0511. 980 67-0.

Ganz besonderen Besuch erhielten heute die Kinder des Flüwo-Kindergartens. Ein Ensemble des Hannoverschen Vereins „Nordstadt-Konzerte e. V.“ brachte fröhliche, kindgerechte Klänge zu den drei- bis siebenjährigen Mädchen und Jungen. Mit Violine, Kontrabass, Akkordeon und Trommel entführten die Musiker die Kinder spielerisch auf einen „klingenden Spielplatz“.

12 Kinder aus dem Flüwo waren zum Spielplatzkonzert gekommen, begleitet von Tara Abdulkarem und Shahen Raschid, den Leiterinnen des Flüwo-Kindergartens, und einigen Eltern. Scheu und Unsicherheit waren schnell überwunden, denn über alle Sprachbarrieren hinweg baute das Ensemble charmant eine Brücke zum Flüwopublikum.

Musik zum Hören, Sehen und Staunen: Zur Vorstellung von Klängen gesellten sich vorbereitete Experimente, gemeinsames Musizieren und ein kleines Konzert. Wie hört sich eine Schaukel an? Oder ein Sandkasten? Wie entstehen Tonschwingungen? Kann man auch mit einem Brett und Bindfäden Musik machen? Mit Alltagsgegenständen, einer Symboltafel und mit viel Humor vermittelten die Musiker musikalische Grundlagen wie Takt, Rhythmus, Laut und Leise und stellten so die unsichtbare Bewegung des musikalischen Klangs dar. Die Kinder klatschten, stampften und summten begeistert mit. Ganz international verband die elementare Kraft von Klängen und Rhythmen alle Zuhörer zu einer fröhlichen Gruppe.

Das „Spielplatz-Ensemble“ unter der Leitung von Hans-Christian Euler besucht jedes Jahr im Juni für zwei Wochen hannoversche Kitas und Grundschulen. Die finanziellen Mittel dafür werden von der Stadt Hannover bereitgestellt. Das heutige Konzert im Flüwo wurde vermittelt durch Anja Neideck, Kulturmanagerin im Freizeitheim Döhren. Für das kommende Jahr ist das nächste Spielplatzkonzert im Flüwo schon fest geplant.

In diesen Zeiten wird auch im Flüwo leider manches anders. Ausflüge und gemeinsame Veranstaltungen entfallen. Auch die Beratung unserer Bewohner durch unsere Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter versuchen wir telefonisch durchzuführen, um die Ansteckungsgefahr möglichst gering zu halten.

Leider musste auch unser Kindergarten wochenlang geschlossen bleiben. Wir freuen uns aber darauf, gemäß den offiziellen Anweisungen den Betrieb hoffentlich bald wieder aufnehmen und die Kinder willkommen heißen zu können.

Die Bewohnerinnen und Bewohner unserer Flüchtlingswohnheime halten die Hygieneregeln bereitwillig ein und achten auf den nötigen Abstand voneinander. So konnte eine Ausbreitung des Virus in den Wohnheimen bisher vermieden werden. Einzelne Erkrankte sind bereits genesen.

Allen, die auf Bescheide der Ämter warten, wird noch mehr Geduld abverlangt als sonst. Denn auch das BAMF und die Verwaltungsgerichte haben infolge der Pandemie ihre Arbeit eingeschränkt. Dienstwege dauern länger, telefonische und schriftliche Absprachen sind komplizierter als ein kurzer, persönlicher Termin auf dem Amt.

Auch der Fastenmonat Ramadan verläuft anders als üblich, denn Besuche außerhalb der Familie zum abendlichen Fastenbrechen finden nicht statt.

Schön, dass alle den Zustand gelassen ertragen.

 

 

Worum geht es?
„Ich kann nicht mehr! Oder zumindest bin ich kurz davor. Meine Kräfte schwinden“. Es stimmt schon: Mitarbeit in sozialen Berufen kann ganz schön anstrengend sein. Sie zehrt bei aller Freude und positiven Erfahrungen mit hilfebedürftigen Menschen immer wieder an der eigenen Substanz.

Resilienz ist ein zentrales Anliegen in der Begleitung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Flüchtlingswohnheime – ob hauptamtlich oder ehrenamtlich. Es geht um Selbstfürsorge. Wie kann ich so leben und arbeiten, dass ich an meine Kraftquellen angeschlossen bleibe oder wieder den Kontakt finde? Dabei spielt Spiritualität eine wichtige Rolle. Das Seminar auf Burg Bibra will dabei unterstützen.

Wir begeben uns auf den Weg zu unserer Mitte, um aus der Mitte wieder den Weg nach außen zu gehen. Dazu lernen wir verschiedene Gebetsformen kennen: Perlengebet, Beten mit allen Sinnen, Herzensgebet, Jesusgebet, mit dem Atem beten, Beten mit dem Körper, Gebärdengebet.

Grundlage des Wochenendes sind Leben, Erfahrung und Theologie des Schweizers Niklaus von Flüe. Eine Tagung, die unser Leben mit Jesus bereichern kann.

Eingeladen sind Menschen, die auf der Suche nach Resilienz sind, sich neu orientieren und auf den Weg zu ihren inneren Quellen aufmachen wollen.

Seminar für Menschen aus helfenden Berufen
Ein Angebot der Flüchtlingswohnheime der Gemeinde am Döhrener Turm und der Beratungspraxis Aufwind
12. – 14. Juni 2020
Burg Bibra (Thüringen)

Referenten:
Johanna v. Bibra. Sopranistin, Musik- und Tanzpädagogin
Michael Borkowski, Theologe, Pädagoge, Therapeut und Coach

Ort:
Seminarzentrum Burg Bibra e.V.
Burgweg 2
98631 Bibra im Grabfeld

Preise:
Frühbucherrabatt bis 12. Mai 2020: 189 Euro
Danach: 229 Euro
(beinhaltet jeweils Unterkunft, Verpflegung und Seminargebühr)
50% Ermäßigung für Studierende und Azubis

Anmeldung:
per Mail an info@burg-bibra.de
oder über die Website www.burg-bibra.de

Weitere Informationen erhalten Sie mit der Anmeldebestätigung.

Der Kinderbuch-Schrank „KibuSch“ hat mit vielen Büchern seinen selbstverständlichen Platz in unserer Halle eingenommen. Immer wieder kann man Kinder in der Halle sehen, ein Buch in der Hand oder lesend. Oder sie schauen einfach die Bilder an.

Aber man kann noch so viel mehr mit Büchern machen, z.B. mit ihnen spielen. Sehen Sie selbst: Vorübergehend verwandelte sich unsere Spielfläche in das Schaufenster einer Buchhandlung.

Kinderbücher aller Art nehmen wir nach wie vor gern entgegen. Bilderbücher, Sachbücher, Geschichten, Malbücher, Lernbücher oder Kinder-Lexika. Für Fragen und oder Spenden wenden Sie sich bitte an:

Sozialarbeiterin Hannelore Ott-Stadlbauer
Flüchtlingswohnheim Hildesheimer Straße
ott-stadlbauer@efg-fluewo.de

 

Auch bei uns ist der Nikolaus gekommen und hat zur großen Freude aller Kinder kleine Geschenke gebracht. Die besondere Jahreszeit feiern wir mit Lichterschmuck und einer großen Weihnachtsparty. Auch Ihnen wünschen wir eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Stolz halten sie ihre bunten, leuchtenden Laternen hoch. Aufgeregtes Stimmengewirr erfüllt den Raum. Seit Tagen warten sie auf diesen Abend, und jetzt, bei Einbruch der Dämmerung, geht es endlich los: 25 Kinder aus den Flüchtlingswohnheimen der Gemeinde am Döhrener Turm ziehen mit ihren Müttern durch Kleingärten und Eilenriede. Begleitet werden sie von Sozialarbeiterin Deborah Kost, die das Ereignis organisiert hat, sowie ihrer Kollegin Hannelore Ott-Stadlbauer.

„Seit vier Jahren gibt es nun schon unseren Laternenumzug“, berichtet Irene Wegener, Leiterin der Flüchtlingswohnheime. „Die kleineren Kinder basteln ihre Laternen in unserem Kindergarten und üben gemeinsam die Lieder. Alle finden es toll, und auch die Großen kommen gerne mit.“

Manche der Kinder sprechen noch kaum ein Wort Deutsch, aber bei „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“ singen alle begeistert mit. Beim Lied vom Martin, der seinen Mantel teilt, wird es schon schwieriger. Die Geschichte kennen sie jedenfalls, denn die Erzieherinnen Tara Abdulkarim und Shahen Rashid haben sie immer wieder geduldig erzählt – auf Deutsch, auf Arabisch, Kurdisch und Persisch.

Inzwischen ist es richtig dunkel geworden. Die Laternen leuchten jetzt noch schöner, doch manche frieren schon und freuen sich über den kurzen Rückweg. Zuhause, vor dem „Flüwo“, hat der Hausmeister eine große Feuerschale aufgestellt. Alle stärken sich mit heißem Kinderpunsch und selbstgebackenen Brötchen. „Meine Laterne nehme ich mit in mein Zimmer. Das ist die schönste Lampe“, sagt ein Mädchen und strahlt.

 

Rettungswesten in leuchtendem Orange machen an vielen Kirchtürmen und Gemeindehäusern darauf aufmerksam, dass immer noch Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken. Seit dem 27. September hängt auch an der Gemeinde am Döhrener Turm ein solches Zeichen. Frank Hellberg vom Arbeitskreis Weltverantwortung erklärt, warum sich die Gemeinde zu diesem Schritt entschlossen hat.

Frank, warum hängt eine Rettungsweste an eurem Gemeindehaus?

Frank Hellberg: Auf dem Mittelmeer spielt sich ein Drama ab. Seit Anfang 2019 sind dort fast 700 Menschen* ums Leben gekommen bei ihrem Versuch, nach Europa zu gelangen.  Wer von uns würde in ein wackeliges, überladenes Schlauchboot steigen und versuchen, damit bei Seegang, Wind und Wetter das offene Meer zu überqueren? So ein Risiko geht man nur ein, wenn es keine anderen Optionen gibt. Die Menschen werden von der nackten Verzweiflung getrieben: Entweder Europa erreichen oder sterben. Seit über 10 Jahren geht das schon so. Und der Skandal ist, dass Europa nur zuschaut. Es gibt keine organisierte Form der Seenotrettung. Es gibt keine politischen Antworten.

Was will die Gemeinde erreichen?

F.H.: Wir möchten ein sichtbares Zeichen der Solidarität setzen mit diesen ärmsten aller Geflüchteten. Wir möchten an die Organisationen erinnern, die in der Seenotrettung aktiv sind, z.B. Ärzte ohne Grenzen. Ihre Arbeit wird erschwert von den Anrainerstaaten, Kapitäne wurden verhaftet. Frontex hat sich zurückgezogen. Selbstverständliches mitmenschliches Handeln, die Rettung aus Seenot, wird kriminalisiert. Wir möchten die Regierungen an ihre Verantwortung erinnern. Die Schwimmwesten sind ein Zeichen von der Basis: „Wir müssen uns kümmern. Die Politik versagt.“

Aber gibt es nicht auch Fortschritte?

F.H.: Ja, zum Glück. In einem ersten Schritt hat ein Teil der Mittelmeeranrainerstaaten sich jetzt geeinigt (Deutschland, Malta, Italien, Frankreich). Und unser Innenminister Horst  Seehofer hat bekräftigt, dass Deutschland künftig ein Viertel der auf dem Mittelmeer Geretteten aufnehmen wird. Auch 100 Kommunen in Deutschland haben sich zu „sicheren Häfen“ erklärt. In der „Potsdamer Erklärung“ haben sie zugesagt, über das gesetzlich vorgeschriebene Kontingent hinaus zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen.

Natürlich verstehen wir, dass Italien und Griechenland mit so vielen Geflüchteten überlastet sind und abwehrend reagieren. Allein in Moria (Lesbos) leben zurzeit mehr als 10.000  Menschen in einem Lager, dass nur eine Kapazität von 3.000 Plätzen hat. Zu lange haben die anderen europäischen Staaten sie mit diesem Problem alleingelassen. Wir möchten mit unserer Aktion die Entscheidungsträger in der Politik ermahnen, endlich vernünftige Lösungen zu finden.

Wer hatte die Idee zu dieser Aktion?

F.H.: Die Aktion wurde angestoßen von den Flüchtlingswohnheimen unserer Gemeinde und vom Arbeitskreis Weltverantwortung (offizielles Statement im Wortlaut). Schon 2018  haben evangelische Kirchengemeinden begonnen, auf das Drama aufmerksam zu machen. An vielen kirchlichen Häusern bundesweit sind Rettungswesten aufgehängt worden. Auch 16 Gemeinden in Hannover haben für eine begrenzte Zeit dieses Zeichen gesetzt. Wir finden das gut und möchten uns beteiligen. Im Flüwo erleben wir seit vielen Jahren hautnah, was Flucht bedeutet. Wir sehen die Verzweiflung der Menschen und trauern mit ihnen um die Verwandten, die sie in oft katastrophalen Zuständen zurücklassen mussten. Als Gemeinde, die sich einer solchen diakonischen Aufgabe stellt, müssen wir auch weiterdenken an die Menschen, die in Seenot geraten.

Für viele ist Europa einfach die letzte Möglichkeit. Junge Menschen aus afrikanischen Krisenländern, Afghanistan oder Syrien wollen nicht länger in irgendwelchen Lagern herumhängen, sondern zur Schule gehen. Sie wollen in einem sicheren Land leben ohne Bürgerkrieg. Sie wollen raus aus der Armut und etwas aus ihrem Leben machen. Deswegen suchen sie einen Weg, nach Europa zu gelangen.

Immer wieder hört man den Vorwurf, dass die Seenotrettung indirekt den Schleppern in die Hände spielt.

F.H.: Es gibt natürlich Leute, die an dem Geschäft mit der Hoffnung verdienen. Aber die Seenotrettung einzustellen, also die Geflüchteten einfach ertrinken zu lassen, ändert nichts daran, dass immer wieder neue Flüchtlinge sich auf den Weg machen. Das sieht man daran, dass allein in diesem Jahr bereits fast 35.000 Menschen* in die Boote gestiegen sind, obwohl es kaum Rettungsschiffe gibt zurzeit. Ja, es ist schlimm, dass die Schlepper das ausnutzen. Aber was wäre unsere Alternative? Wegschauen?

Was sollten Verantwortliche in der Politik deiner Meinung nach konkret tun?

F.H.: Die Situation auf dem Mittelmeer muss entschärft werden. Die Seenotrettung darf nicht kriminalisiert werden, sondern sie muss von staatlicher Seite gefördert werden. Geflüchtete müssen gleichmäßig in europäische Länder verteilt werden. Und vor allem: Wir Europäer müssen nach Kräften dazu beitragen, bessere Lebensbedingungen vor Ort zu schaffen, damit die Menschen in ihrer Heimat bleiben können. Über den Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland werden zum Beispiel syrische Flüchtlinge im Libanon unterstützt.

Vielen Dank  für das Gespräch. Hoffen wir, dass sich etwas bewegt.

Interview: Ulrike Landt

 

*Quelle: UNHCR, https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/hilfe-weltweit/mittelmeer/ (Abruf am 27.09.2019)

 

 

Zum Ende der Sommerferien haben 50 Männer, Frauen und Kinder unsere Halle, die Höfe und den Außenbereich des Wohnheimes auf Hochglanz gebracht. Mit vielen Schwämmen, Tüchern und Besen wurden die Wände und Spielelemente geschrubbt. Draußen wurde Unkraut gezupft und das trockene Laub beseitigt. Nach gemeinsamer Arbeit haben wir gemeinsam gegrillt und es uns gutgehen lassen.

So gingen die Ferien zu Ende. Die Kids haben nicht nur lange geschlafen, sondern viele Aktivitäten genossen. Wir waren oft in den Schwimmbädern der Stadt und die Kinder haben ihren Schwimmkurs erfolgreich absolviert. Zum Ferienprogramm gehört auch gemeinsames Waffelnbacken, Eisessen und In-House-Kino. Außerdem haben sich die Kinder mit dem Ranzen-TÜV auf die Schule vorbereitet. Jetzt kann das neue Schuljahr beginnen!

Episoden aus dem Leben der Angekommenen.

Aus den Veranstaltungshinweisen der Stadt Hannover*:

„Wohin wollten wir? Wo sind wir angekommen? Wie ist es uns hier ergangen?

Nachdem die Theatergruppe GRENZGÄNGER im letzten Jahr Geschichten aus der Heimat und von der Flucht auf die Bühne gebracht hat („Erinnerung, sprich!“), erzählt dieses Stück nun davon, was den einzelnen Menschen hier widerfahren ist. Unter der Leitung des Regisseurs Kamran Bozorgnia bringt die Gruppe aus Einheimischen und vor Kurzem oder Langem hier Angekommenen kafkaeske Situationen und Erlebnisse auf die Bühne. Authentische und erdachte Elemente wurden von der Gruppe gemeinsam zu einem Gesamtstück verarbeitet. Der Text wird teils auf Deutsch, teils in den Muttersprachen der Spieler/innen gesprochen, Übersetzungen sind in deutscher Sprache auf einer Leinwand zu lesen. Im Anschluss an das Stück hat das Publikum die Möglichkeit, mit der Gruppe ins Gespräch zu kommen.

Das Projekt ist eine Kooperation des Vereins für Theater, Kunst und Bildung e.V. mit der Landeshauptstadt Hannover, Bereich Stadtteilkultur Freizeitheim Döhren und dem Integrationsbeirat Döhren-Wülfel.“

Das Stück wird am 28.06. um 11.00 Uhr und um 19:00 Uhr aufgeführt.
Veranstaltungsort ist das Freizeitheim Döhren, An der Wollebahn 1, 30519 Hannover.
Es wirken auch Bewohner unserer Flüchtlingswohnheime mit.

Ein Mann und eine Frau stehen auf der Bühne.  © Dieter Kempa

*Quelle: https://www.hannov  er.de/Kultur-Freizeit/Freizeit-Sport/Freizeiteinr  ichtungen/Freizeitheime-Stadtteilzentren/Freizeitheim-D%C3%B6hren/Veranstaltungen/Diesseits-der-Grenze

Am 12.02.19 besuchte eine Gruppe aus Bewohnerinnen und Bewohnern der Wohnheime Grazer Str. und Hildesheimer Str. den Niedersächsischen Landtag.

Zusammen mit Martin Reckweg – der regelmäßig ehrenamtlich Ausflüge für die Wohnheimsbewohner organisiert – und Lutz Bagusch vom Wohnheim Grazer Str. erhielten 10 Männer, Frauen und Kinder einen Einblick hinter die Kulissen der Landespolitik.

6. Oktober 2021:

Schnuppern im Sozial-Beruf

Wir freuen uns über Franka und Dilara! Sie absolvieren zur Zeit ein 14-tägigesSchulpraktikum in unserem Haus. Dilara wurde 2005 in Aleppo geboren und flüchtete bei Ausbruch des Krieges mit ihrer…

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18. September 2021:

#HandinHand# – Rettungskette für Menschen ...

Die Idee war frappierend: Mit einer Menschenkette quer durch Europa von der Nordsee bis zum Mittelmeer sollte auf die unhaltbare Situation der Flüchtenden hingewiesen werden, die auf der gefährlichen Flucht-Route…

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Wegen Corona:

Kleiderkammer „Hildchen“ noch ...

Leider muss unsere Kleiderkammer wegen der Corona-Infektionsgefahr noch immer geschlossen bleiben. Voraussichtlich können wir erst ab März 2022 wieder Kleiderspenden entgegennehmen.   Unsere Kleiderkammer „Hildchen“ ist eine von 5 Einrichtungen…

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Montag, 12. Juli 2021:

Hilfe für traumatisierte Flüchtlingskinde ...

Wir möchten Ihnen eine neue Initiative der Flüchtlingswohnheime vorstellen: das Leylaprojekt. Hilfe für Kinder in Flüchtlingslagern: Sie haben sicher auch davon gehört – in den Flüchtlingslagern des Nahen Ostens wächst…

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Ein sicherer Ort für geflüchtete Kinder:

Flüwo-Kindergarten

Familien, die neu in unsere Flüchtlingswohnheime einziehen, müssen oft viele Monate auf einen Kindergartenplatz warten. Aber wohin mit den lieben Kleinen, wenn Termine auf dem Amt oder beim Arzt anstehen?…

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17. Mai 2021:

Corona und FlüWo, einige Beobachtungen.

Die Anzahl von erkrankten Bewohner*innen und Mitarbeitenden liegt  etwas unter dem Bundesdurchschnitt. Alle haben mit sehr viel Disziplin und Durchhaltevermögen mitgemacht und Hygiene- und Schutzmaßnahmen eingehalten. Die Wohnheime wurden bislang…

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