„Die Chemie ist durchgehend gut“

Im Rahmen eines Schülerpraktikums hat Johann Grützner unsere Arbeit 14 Tage lang unterstützt. Hier beschreibt er seine Erfahrungen:

„Wenn ich jetzt am Ende der zwei Wochen auf meine Erwartungen gucke, bemerke ich, dass so gut wie alle Erwartungen erfüllt wurden und ich ein sehr erfolgreiches Praktikum hatte.

Ich wurde von Anfang an in die Arbeit integriert, so dass ich nach einer Woche auch eigene Fälle mit den Bewohnern besprechen konnte und nach Lösungen gesucht habe. Das ganze Wohnheim  arbeitet hierbei als Team und die Chemie ist durchgehend gut.

Auch wenn mein Praktikum eigentlich  ,nur‘ als Sozialarbeiter stattfand, konnte ich in mehrere Berufe und bei verschiedenen Menschen in den Arbeitsalltag gucken … Somit half mir mein Praktikum, um festzustellen, dass ich mich bei der Arbeit im Menschen sehr wohl fühle und mir soziale und pädagogische Arbeit in der Zukunft als Beruf vorstellen kann. Mein Priorität liegt im Moment beim Erreichen der Fachhochschulreife, damit ich mir für die Zukunft alle Möglichkeiten offen halte.“

Johan, wir danken Dir für deinen Einsatz, es hat Spaß gemacht mit Dir, alles Gute !

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Foto: EFG-Flüchtlingswohnheime, Irene Wegener

Die Idee war frappierend: Mit einer Menschenkette quer durch Europa von der Nordsee bis zum Mittelmeer sollte auf die unhaltbare Situation der Flüchtenden hingewiesen werden, die auf der gefährlichen Flucht-Route übers Mittelmeer ihr Leben riskieren. Es sollte ein Zeichen der Solidarität mit all jenen Menschen sein, die zum Teil unvorstellbares Leid, Gewalt sowie Entbehrungen ertragen müssen und denen jegliche Perspektive auf ein Leben in Würde fehlt.

Dazu sollte am 18. September an möglichst vielen Stellen in Deutschland, Österreich und Italien eine Menschenkette gebildet werden – über 300 Organisationen hatten sich diesem Ziel angeschlossen. Und wir in Hannover waren dabei mit einer Aktion, die vom AK Weltverantwortung, dem Flüwo sowie dem Netzwerk Flüchtlingshilfe und Menschenrechte initiiert wurde. Von 12.00 bis 12.30 Uhr wurde eine Menschenkette auf der Hildesheimer Straße gebildet vom Flüwo Grazer Straße bis fast zu unserem Gemeindezentrum mit ca. 150 Personen.

Gleichzeitig fand eine kleine Kundgebung statt: Dang Chau Lam vom Vietnamesischen Zentrum Hannover erinnerte an die Aufnahme von Boat People in Niedersachsen in den 1970iger Jahren, Irene Wegener verlas ein Grußwort von Doris Schröder-Köpf, der Beauftragten des Landes für Migration, und Antonio Umberto Riccò las Auszüge aus seinem Theaterstück Das Boot ist voll, welches sich mit den Katastrophen auf dem Mittelmeer beschäftigt.

Beteiligt an der Aktion waren engagierte Menschen aus Hannover, Bewohner*Innen der Flüchtlingswohnheime sowie Mitglieder unserer Gemeinde. Eine Teilnehmerin berichtet, dass sie selbst vor 20 Jahren mit einem Boot über das Mittelmeer geflüchtet sei und deshalb wisse, wie wichtig die Hilfe für diese Menschen sei.

Als Abstandshalter in der Kette diente ein schmales Banner mit der Aufschrift: Rettungskette für Menschenrechte. Gleichzeitig war das Banner aber auch die Verbindung unter den Menschen, das gemeinsame Eintreten für ein lebenswertes Leben für alle.

Mehr unter https://www.rettungskette.eu

Foto: Klaus Strempel (Netzwerk Flüchtlingshilfe und Menschenrechte, Mitinitator der Aktion für Hannover), Irene Wegener (Leiterin Flüchtlingswohnheim), Frank Hellberg (ebenfalls Mitinitator)

Leider muss unsere Kleiderkammer wegen der Corona-Infektionsgefahr noch immer geschlossen bleiben. Voraussichtlich können wir erst ab März 2022 wieder Kleiderspenden entgegennehmen.

 

Unsere Kleiderkammer „Hildchen“ ist eine von 5 Einrichtungen der Flüchtlingshilfe unserer Gemeinde. Wir wollen als Christen daran mitarbeiten, dass auch und gerade das Leben von Flüchtlingen und Asylbewerbern gelingt. Deshalb bieten wir vom „Hildchen“-Team einen Kleiderbasar an, um mittellosen und bedürftigen Menschen den Zugang zu der nötigen Kleidung zu erleichtern.

Dank der Spendenbereitschaft vieler Bürger und dem ehrenamtlichen Engagement von Gemeindemitgliedern und Nachbarn können sich die Bewohner unserer Flüchtlingswohnheime hier mit Kleidung, Spielsachen und Haushaltsdingen versorgen. Deshalb suchen wir

– saubere Kleidung für Männer, Frauen und Kinder
– Bekleidung für junge Männer in kleinen Größen
– Haushaltsgegenstände, Kinderwägen oder Schulranzen

Öffnungszeiten für Abgabe und Anlieferung:
montags 10:00–12:00 Uhr
mittwochs 16:00–18:00 Uhr
in der Hildesheimer Straße 169

Wenn Sie außerhalb der Öffnungszeiten Ihre Spenden vorbeibringen möchten, wenden Sie sich bitte an die Zentrale des Flüchtlingswohnheims Hildesheimer Straße unter Tel.: 0511. 98067-0.

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Wir möchten Ihnen eine neue Initiative der Flüchtlingswohnheime vorstellen: das Leylaprojekt.

Hilfe für Kinder in Flüchtlingslagern:
Sie haben sicher auch davon gehört – in den Flüchtlingslagern des Nahen Ostens wächst eine Generation von traumatisierten Kindern unter katastrophalen Bedingungen heran. Das muss nicht so bleiben. Denn traumatisierte Flüchtlingskinder können emotional gefestigt werden, wenn ihre Mütter ihnen die Erfahrung von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.

Die Mütter stärken – Traumafolgen überwinden:
Wir bilden einheimische Traumaberaterinnen aus. Sie gehen in Flüchtlingscamps, stärken die Mütter und befähigen sie dazu, die seelische Gesundheit ihrer Familie nachhaltig zu verbessern.

Unsere Partner im Nahen Osten:
Wir freuen uns, dass wir mit einer erfahrenen Partnerorganisation zusammenarbeiten können. Das „Ithraa-Center“ arbeitet als interreligiöses Projekt seit vielen Jahren mit qualifizierten Psychologinnen und Therapeuten im Bereich der Flüchtlingshilfe im Libanon und in Jordanien.

Mehr Infos finden Sie unter leylaprojekt.de. Wir freuen uns, wenn Sie dieses Projekt mit Ihrer Spende unterstützen. Damit Kinder im Libanon und in Jordanien die Vergangenheit überwinden und seelisch gesund werden!

Herzliche Grüße vom Projektteam,

Michael Borkowski, Irene Wegener,
Dr. Ann-Katrin Bockmann, Dr. Tom Holmes,
Benedikt Elsner, Dr. Frank Hellberg,
Najem Al Khalaf, Ulrike Landt

Familien, die neu in unsere Flüchtlingswohnheime einziehen, müssen oft viele Monate auf einen Kindergartenplatz warten. Aber wohin mit den lieben Kleinen, wenn Termine auf dem Amt oder beim Arzt anstehen?

Deshalb bieten wir montags bis freitags eine Kinderbetreuung an. Unsere geschulten Betreuerinnen Tara Abdulkarem und Shahen Raschid haben selbst einen Migrationshintergrund. Vom ersten Tag an lernen Jungen und Mädchen im Kindergartenalter bei ihnen erste Worte auf Deutsch, sie basteln, singen und haben viel Spaß miteinander. So werden die Eltern entlastet und die Kinder optimal gefördert.

Unser Kindergarten wird von der Landeshauptstadt Hannover finanziert.

Kinderbetreuung im Flüwo Hildesheimer Straße
montags bis freitags von 9:00 bis 13:00 Uhr

 

Die Anzahl von erkrankten Bewohner*innen und Mitarbeitenden liegt  etwas unter dem Bundesdurchschnitt. Alle haben mit sehr viel Disziplin und Durchhaltevermögen mitgemacht und Hygiene- und Schutzmaßnahmen eingehalten. Die Wohnheime wurden bislang , Gott sei Dank,  nicht zum Hot-Spot.

Unsere räumlichen Voraussetzungen der Wohneinheiten für Familien und Einzelzimmer, bzw. max. Doppelzimmer für Alleinreisende  in der Grazerstr. haben es möglich gemacht, dass man sich besser in der Distanz aufhalten konnte, als in anderen Einrichtungen.

Unsere Mitarbeitenden haben oftmals unter Einsatz der eigenen Gesundheit die Möglichkeiten des direkten Kontaktes mit den Bewohner*innen zumeist möglich gemacht.  Das war auch gut so, denn Angst, Einsamkeit, Langeweile und Verlust des Arbeitsplatzes, eingeschränktes Arbeiten der Ämter und Gerichte haben zusätzlich auch viel Frust erzeugt.

Der Kindergartenbetrieb lief bis auf wenige Wochen im Frühjahr 2020 und konnte dann  als Notgruppe mit 7 Kindern fortgeführt werden. Sehr gut waren insbesondere für die Schulkinder die Angebote der Schübi-Mitarbeitenden. Dort erhielten die Kids Unterstützung für Schulaufgaben und Freizeitangebote.

Leider ruhen seit dem Frühjahr unsere Angebote Hildchen, Fahrradwerkstatt, Tafelausgabe und Nachmittagskinderangebot. Wir hoffen sehr, dass in den nächsten Monaten wieder alles neu ins Laufen kommt. Auch Ehrenamtliche der Flüchtlingswohnheime gehören neben Bewohnenden und Mitarbeitenden zu der zweiten Prioritätengruppe in der Impfreihenfolge.

Bis nun auch unter uns der Anteil der Geimpften und Genesenen größer wird, schützen wir uns und andere weiterhin durch Maskentragen und Hygieneregelungen. Sehr dankbar sind wir, dass nun die Bundesregierung in einer größeren Aktion uns FFP2-Masken zur Verfügung gestellt hat. So  hoffen wir auf einen besseren, freieren Sommer.

Es gehört zu den guten Traditionen unserer Einrichtung, den Tod uns nahestehender Menschen mit einem Foto und einer Kerze im Hauseingang bekannt zu machen. Wir möchten Raum für ein Gedenken bieten. Dort standen in den letzten Jahren Bilder von Bewohnern, aber auch von Menschen aus unserem Umfeld.

Nun steht dort das Bild von Thomas Schrader, mit dem wir seit 13 Jahren in guter Nachbarschaft und Freundschaft verbunden waren. Thomas Schrader verstarb am 8. Januar 2021, und wir sind traurig, dass er so früh von uns gegangen ist.

Wir sind aber auch sehr dankbar für seine Freundschaft und Verbundenheit mit den Menschen, die in unserem Haus leben und mit uns als Einrichtung. Vor nicht einmal einem Jahr brachte er uns das Friedenslicht aus Jerusalem.

Als langjähriger Vorsitzender des Kleingartens Tiefenriede ging Thomas auf seine Mitmenschen zu, sprach sie an und war interessiert. Was für eine wohltuende Eigenschaft. Lieber Freund, wir wünschen Dir einen guten Platz im Garten Gottes.

Ganz besonderen Besuch erhielten heute die Kinder des Flüwo-Kindergartens. Ein Ensemble des Hannoverschen Vereins „Nordstadt-Konzerte e. V.“ brachte fröhliche, kindgerechte Klänge zu den drei- bis siebenjährigen Mädchen und Jungen. Mit Violine, Kontrabass, Akkordeon und Trommel entführten die Musiker die Kinder spielerisch auf einen „klingenden Spielplatz“.

12 Kinder aus dem Flüwo waren zum Spielplatzkonzert gekommen, begleitet von Tara Abdulkarem und Shahen Raschid, den Leiterinnen des Flüwo-Kindergartens, und einigen Eltern. Scheu und Unsicherheit waren schnell überwunden, denn über alle Sprachbarrieren hinweg baute das Ensemble charmant eine Brücke zum Flüwopublikum.

Musik zum Hören, Sehen und Staunen: Zur Vorstellung von Klängen gesellten sich vorbereitete Experimente, gemeinsames Musizieren und ein kleines Konzert. Wie hört sich eine Schaukel an? Oder ein Sandkasten? Wie entstehen Tonschwingungen? Kann man auch mit einem Brett und Bindfäden Musik machen? Mit Alltagsgegenständen, einer Symboltafel und mit viel Humor vermittelten die Musiker musikalische Grundlagen wie Takt, Rhythmus, Laut und Leise und stellten so die unsichtbare Bewegung des musikalischen Klangs dar. Die Kinder klatschten, stampften und summten begeistert mit. Ganz international verband die elementare Kraft von Klängen und Rhythmen alle Zuhörer zu einer fröhlichen Gruppe.

Das „Spielplatz-Ensemble“ unter der Leitung von Hans-Christian Euler besucht jedes Jahr im Juni für zwei Wochen hannoversche Kitas und Grundschulen. Die finanziellen Mittel dafür werden von der Stadt Hannover bereitgestellt. Das heutige Konzert im Flüwo wurde vermittelt durch Anja Neideck, Kulturmanagerin im Freizeitheim Döhren. Für das kommende Jahr ist das nächste Spielplatzkonzert im Flüwo schon fest geplant.

In diesen Zeiten wird auch im Flüwo leider manches anders. Ausflüge und gemeinsame Veranstaltungen entfallen. Auch die Beratung unserer Bewohner durch unsere Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter versuchen wir telefonisch durchzuführen, um die Ansteckungsgefahr möglichst gering zu halten.

Leider musste auch unser Kindergarten wochenlang geschlossen bleiben. Wir freuen uns aber darauf, gemäß den offiziellen Anweisungen den Betrieb hoffentlich bald wieder aufnehmen und die Kinder willkommen heißen zu können.

Die Bewohnerinnen und Bewohner unserer Flüchtlingswohnheime halten die Hygieneregeln bereitwillig ein und achten auf den nötigen Abstand voneinander. So konnte eine Ausbreitung des Virus in den Wohnheimen bisher vermieden werden. Einzelne Erkrankte sind bereits genesen.

Allen, die auf Bescheide der Ämter warten, wird noch mehr Geduld abverlangt als sonst. Denn auch das BAMF und die Verwaltungsgerichte haben infolge der Pandemie ihre Arbeit eingeschränkt. Dienstwege dauern länger, telefonische und schriftliche Absprachen sind komplizierter als ein kurzer, persönlicher Termin auf dem Amt.

Auch der Fastenmonat Ramadan verläuft anders als üblich, denn Besuche außerhalb der Familie zum abendlichen Fastenbrechen finden nicht statt.

Schön, dass alle den Zustand gelassen ertragen.

 

 

Der Kinderbuch-Schrank „KibuSch“ hat mit vielen Büchern seinen selbstverständlichen Platz in unserer Halle eingenommen. Immer wieder kann man Kinder in der Halle sehen, ein Buch in der Hand oder lesend. Oder sie schauen einfach die Bilder an.

Aber man kann noch so viel mehr mit Büchern machen, z.B. mit ihnen spielen. Sehen Sie selbst: Vorübergehend verwandelte sich unsere Spielfläche in das Schaufenster einer Buchhandlung.

Kinderbücher aller Art nehmen wir nach wie vor gern entgegen. Bilderbücher, Sachbücher, Geschichten, Malbücher, Lernbücher oder Kinder-Lexika. Für Fragen und oder Spenden wenden Sie sich bitte an:

Sozialarbeiterin Hannelore Ott-Stadlbauer
Flüchtlingswohnheim Hildesheimer Straße
ott-stadlbauer@efg-fluewo.de

 

Auch bei uns ist der Nikolaus gekommen und hat zur großen Freude aller Kinder kleine Geschenke gebracht. Die besondere Jahreszeit feiern wir mit Lichterschmuck und einer großen Weihnachtsparty. Auch Ihnen wünschen wir eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.

Schöne Dinge selber machen, Kleidung in Ordnung bringen, Kontakte knüpfen – darum geht es in unserem Näh-Treff. Alle 14 Tage bietet Gudrun Lange ehrenamtlich ein offenes Näh-Angebot in unserem Flüchtlingswohnheim an.

Frauen aus unseren Einrichtungen haben hier die Möglichkeit, ihre Sachen zu reparieren. Ein weiteres gemeinsames Ziel ist es, die eigene Umgebung mit Genähtem zu verschönern. So nähen die Frauen z.B. Taschen und Kissen für die eigenen Bedarf und aber auch für unsere hauseigenen Sitzecken und Räumlichkeiten.

Das Angebot wird gut angenommen, und offensichtlich haben unsere Frauen Freude daran.

Stolz halten sie ihre bunten, leuchtenden Laternen hoch. Aufgeregtes Stimmengewirr erfüllt den Raum. Seit Tagen warten sie auf diesen Abend, und jetzt, bei Einbruch der Dämmerung, geht es endlich los: 25 Kinder aus den Flüchtlingswohnheimen der Gemeinde am Döhrener Turm ziehen mit ihren Müttern durch Kleingärten und Eilenriede. Begleitet werden sie von Sozialarbeiterin Deborah Kost, die das Ereignis organisiert hat, sowie ihrer Kollegin Hannelore Ott-Stadlbauer.

„Seit vier Jahren gibt es nun schon unseren Laternenumzug“, berichtet Irene Wegener, Leiterin der Flüchtlingswohnheime. „Die kleineren Kinder basteln ihre Laternen in unserem Kindergarten und üben gemeinsam die Lieder. Alle finden es toll, und auch die Großen kommen gerne mit.“

Manche der Kinder sprechen noch kaum ein Wort Deutsch, aber bei „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“ singen alle begeistert mit. Beim Lied vom Martin, der seinen Mantel teilt, wird es schon schwieriger. Die Geschichte kennen sie jedenfalls, denn die Erzieherinnen Tara Abdulkarim und Shahen Rashid haben sie immer wieder geduldig erzählt – auf Deutsch, auf Arabisch, Kurdisch und Persisch.

Inzwischen ist es richtig dunkel geworden. Die Laternen leuchten jetzt noch schöner, doch manche frieren schon und freuen sich über den kurzen Rückweg. Zuhause, vor dem „Flüwo“, hat der Hausmeister eine große Feuerschale aufgestellt. Alle stärken sich mit heißem Kinderpunsch und selbstgebackenen Brötchen. „Meine Laterne nehme ich mit in mein Zimmer. Das ist die schönste Lampe“, sagt ein Mädchen und strahlt.

 

Rettungswesten in leuchtendem Orange machen an vielen Kirchtürmen und Gemeindehäusern darauf aufmerksam, dass immer noch Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken. Seit dem 27. September hängt auch an der Gemeinde am Döhrener Turm ein solches Zeichen. Frank Hellberg vom Arbeitskreis Weltverantwortung erklärt, warum sich die Gemeinde zu diesem Schritt entschlossen hat.

Frank, warum hängt eine Rettungsweste an eurem Gemeindehaus?

Frank Hellberg: Auf dem Mittelmeer spielt sich ein Drama ab. Seit Anfang 2019 sind dort fast 700 Menschen* ums Leben gekommen bei ihrem Versuch, nach Europa zu gelangen.  Wer von uns würde in ein wackeliges, überladenes Schlauchboot steigen und versuchen, damit bei Seegang, Wind und Wetter das offene Meer zu überqueren? So ein Risiko geht man nur ein, wenn es keine anderen Optionen gibt. Die Menschen werden von der nackten Verzweiflung getrieben: Entweder Europa erreichen oder sterben. Seit über 10 Jahren geht das schon so. Und der Skandal ist, dass Europa nur zuschaut. Es gibt keine organisierte Form der Seenotrettung. Es gibt keine politischen Antworten.

Was will die Gemeinde erreichen?

F.H.: Wir möchten ein sichtbares Zeichen der Solidarität setzen mit diesen ärmsten aller Geflüchteten. Wir möchten an die Organisationen erinnern, die in der Seenotrettung aktiv sind, z.B. Ärzte ohne Grenzen. Ihre Arbeit wird erschwert von den Anrainerstaaten, Kapitäne wurden verhaftet. Frontex hat sich zurückgezogen. Selbstverständliches mitmenschliches Handeln, die Rettung aus Seenot, wird kriminalisiert. Wir möchten die Regierungen an ihre Verantwortung erinnern. Die Schwimmwesten sind ein Zeichen von der Basis: „Wir müssen uns kümmern. Die Politik versagt.“

Aber gibt es nicht auch Fortschritte?

F.H.: Ja, zum Glück. In einem ersten Schritt hat ein Teil der Mittelmeeranrainerstaaten sich jetzt geeinigt (Deutschland, Malta, Italien, Frankreich). Und unser Innenminister Horst  Seehofer hat bekräftigt, dass Deutschland künftig ein Viertel der auf dem Mittelmeer Geretteten aufnehmen wird. Auch 100 Kommunen in Deutschland haben sich zu „sicheren Häfen“ erklärt. In der „Potsdamer Erklärung“ haben sie zugesagt, über das gesetzlich vorgeschriebene Kontingent hinaus zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen.

Natürlich verstehen wir, dass Italien und Griechenland mit so vielen Geflüchteten überlastet sind und abwehrend reagieren. Allein in Moria (Lesbos) leben zurzeit mehr als 10.000  Menschen in einem Lager, dass nur eine Kapazität von 3.000 Plätzen hat. Zu lange haben die anderen europäischen Staaten sie mit diesem Problem alleingelassen. Wir möchten mit unserer Aktion die Entscheidungsträger in der Politik ermahnen, endlich vernünftige Lösungen zu finden.

Wer hatte die Idee zu dieser Aktion?

F.H.: Die Aktion wurde angestoßen von den Flüchtlingswohnheimen unserer Gemeinde und vom Arbeitskreis Weltverantwortung (offizielles Statement im Wortlaut). Schon 2018  haben evangelische Kirchengemeinden begonnen, auf das Drama aufmerksam zu machen. An vielen kirchlichen Häusern bundesweit sind Rettungswesten aufgehängt worden. Auch 16 Gemeinden in Hannover haben für eine begrenzte Zeit dieses Zeichen gesetzt. Wir finden das gut und möchten uns beteiligen. Im Flüwo erleben wir seit vielen Jahren hautnah, was Flucht bedeutet. Wir sehen die Verzweiflung der Menschen und trauern mit ihnen um die Verwandten, die sie in oft katastrophalen Zuständen zurücklassen mussten. Als Gemeinde, die sich einer solchen diakonischen Aufgabe stellt, müssen wir auch weiterdenken an die Menschen, die in Seenot geraten.

Für viele ist Europa einfach die letzte Möglichkeit. Junge Menschen aus afrikanischen Krisenländern, Afghanistan oder Syrien wollen nicht länger in irgendwelchen Lagern herumhängen, sondern zur Schule gehen. Sie wollen in einem sicheren Land leben ohne Bürgerkrieg. Sie wollen raus aus der Armut und etwas aus ihrem Leben machen. Deswegen suchen sie einen Weg, nach Europa zu gelangen.

Immer wieder hört man den Vorwurf, dass die Seenotrettung indirekt den Schleppern in die Hände spielt.

F.H.: Es gibt natürlich Leute, die an dem Geschäft mit der Hoffnung verdienen. Aber die Seenotrettung einzustellen, also die Geflüchteten einfach ertrinken zu lassen, ändert nichts daran, dass immer wieder neue Flüchtlinge sich auf den Weg machen. Das sieht man daran, dass allein in diesem Jahr bereits fast 35.000 Menschen* in die Boote gestiegen sind, obwohl es kaum Rettungsschiffe gibt zurzeit. Ja, es ist schlimm, dass die Schlepper das ausnutzen. Aber was wäre unsere Alternative? Wegschauen?

Was sollten Verantwortliche in der Politik deiner Meinung nach konkret tun?

F.H.: Die Situation auf dem Mittelmeer muss entschärft werden. Die Seenotrettung darf nicht kriminalisiert werden, sondern sie muss von staatlicher Seite gefördert werden. Geflüchtete müssen gleichmäßig in europäische Länder verteilt werden. Und vor allem: Wir Europäer müssen nach Kräften dazu beitragen, bessere Lebensbedingungen vor Ort zu schaffen, damit die Menschen in ihrer Heimat bleiben können. Über den Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland werden zum Beispiel syrische Flüchtlinge im Libanon unterstützt.

Vielen Dank  für das Gespräch. Hoffen wir, dass sich etwas bewegt.

Interview: Ulrike Landt

 

*Quelle: UNHCR, https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/hilfe-weltweit/mittelmeer/ (Abruf am 27.09.2019)

 

 

Zum Ende der Sommerferien haben 50 Männer, Frauen und Kinder unsere Halle, die Höfe und den Außenbereich des Wohnheimes auf Hochglanz gebracht. Mit vielen Schwämmen, Tüchern und Besen wurden die Wände und Spielelemente geschrubbt. Draußen wurde Unkraut gezupft und das trockene Laub beseitigt. Nach gemeinsamer Arbeit haben wir gemeinsam gegrillt und es uns gutgehen lassen.

So gingen die Ferien zu Ende. Die Kids haben nicht nur lange geschlafen, sondern viele Aktivitäten genossen. Wir waren oft in den Schwimmbädern der Stadt und die Kinder haben ihren Schwimmkurs erfolgreich absolviert. Zum Ferienprogramm gehört auch gemeinsames Waffelnbacken, Eisessen und In-House-Kino. Außerdem haben sich die Kinder mit dem Ranzen-TÜV auf die Schule vorbereitet. Jetzt kann das neue Schuljahr beginnen!

Episoden aus dem Leben der Angekommenen.

Aus den Veranstaltungshinweisen der Stadt Hannover*:

„Wohin wollten wir? Wo sind wir angekommen? Wie ist es uns hier ergangen?

Nachdem die Theatergruppe GRENZGÄNGER im letzten Jahr Geschichten aus der Heimat und von der Flucht auf die Bühne gebracht hat („Erinnerung, sprich!“), erzählt dieses Stück nun davon, was den einzelnen Menschen hier widerfahren ist. Unter der Leitung des Regisseurs Kamran Bozorgnia bringt die Gruppe aus Einheimischen und vor Kurzem oder Langem hier Angekommenen kafkaeske Situationen und Erlebnisse auf die Bühne. Authentische und erdachte Elemente wurden von der Gruppe gemeinsam zu einem Gesamtstück verarbeitet. Der Text wird teils auf Deutsch, teils in den Muttersprachen der Spieler/innen gesprochen, Übersetzungen sind in deutscher Sprache auf einer Leinwand zu lesen. Im Anschluss an das Stück hat das Publikum die Möglichkeit, mit der Gruppe ins Gespräch zu kommen.

Das Projekt ist eine Kooperation des Vereins für Theater, Kunst und Bildung e.V. mit der Landeshauptstadt Hannover, Bereich Stadtteilkultur Freizeitheim Döhren und dem Integrationsbeirat Döhren-Wülfel.“

Das Stück wird am 28.06. um 11.00 Uhr und um 19:00 Uhr aufgeführt.
Veranstaltungsort ist das Freizeitheim Döhren, An der Wollebahn 1, 30519 Hannover.
Es wirken auch Bewohner unserer Flüchtlingswohnheime mit.

Ein Mann und eine Frau stehen auf der Bühne.  © Dieter Kempa

*Quelle: https://www.hannov  er.de/Kultur-Freizeit/Freizeit-Sport/Freizeiteinr  ichtungen/Freizeitheime-Stadtteilzentren/Freizeitheim-D%C3%B6hren/Veranstaltungen/Diesseits-der-Grenze

Am 12.02.19 besuchte eine Gruppe aus Bewohnerinnen und Bewohnern der Wohnheime Grazer Str. und Hildesheimer Str. den Niedersächsischen Landtag.

Zusammen mit Martin Reckweg – der regelmäßig ehrenamtlich Ausflüge für die Wohnheimsbewohner organisiert – und Lutz Bagusch vom Wohnheim Grazer Str. erhielten 10 Männer, Frauen und Kinder einen Einblick hinter die Kulissen der Landespolitik.

In der Fahrradwerkstatt haben unsere Bewohnerinnen und Bewohner jeden Montag die Möglichkeit, an ihren Rädern zu schrauben und sie wieder verkehrstüchtig zu machen.

Wir suchen noch Freiwillige, die sich mit dem Festziehen von Sätteln, Verkabeln von Lampen und Flicken von Reifen auskennen und die Zeit und Lust haben, anderen dabei zu helfen.

Die Fahrradwerkstatt öffnet jeden Montag um 18 Uhr.

Falls Sie Interesse haben, melden Sie sich gerne bei:
Lutz Bagusch (Heimleiter Grazer Straße):
Tel: +49-511-92 09 13-0
Mail: bagusch@efg-fluewo.de

Weitere Informationen finden Sie unter folgendem Link: https://gemeinde-am-doehrener-turm.de/wohnheim/fahrradwerkstatt-im-fluewo/

 

Vor Kurzem ist ein langjähriger Bewohner aus unserem Wohnheim von uns gegangen. Die Beerdigung fand im kleinen Kreise statt. Wir danken denjenigen, die anwesend waren und stellvertretend für Viele, die ihn kannten, Abschied nahmen.

Es passiert selten, dass Menschen für lange Zeit – über mehrere Jahre – in Wohnheimen wohnen. Doch für diese Menschen wird das Heim dann zum Zuhause. Es gehört auch zu unserem Auftrag, diese Menschen zu begleiten und zu betreuen und ihnen einen Ort zu geben an dem man sich angenommen fühlt. Und auch der Beistand in Krankheit und Abschied ist Teil davon.

Interview mit Irene Wegener, Leiterin der Flüchtlingswohnheime am Döhrener Turm, vom 05. Mai 2018:

Irene, nach einem heißen Herbst 2015 hat die Willkommenskultur stark nachgelassen. Wie erlebt ihr das im Flüwo?
Das vergangene Jahr 2017 stand unter dem Eindruck der sich wieder ändernden politischen und gesellschaftlichen Stimmung zum Thema Migration und Flüchtlinge. Wir mussten uns immer wieder rechtfertigen für unseren Auftrag und unsere Berufung, Schutzsuchende zu unterstützen und fördern. Aber unserer Überzeugung und Energie hat dies keinen Abbruch getan.

Die Flüwos liegen zwischen den gutbürgerlichen Stadteilen Südstadt und Waldheim. Was sagen die Nachbarn?
Wir haben eine gute Kooperation mit unseren Nachbarn. Für uns, die wir in der Südstadt Tag ein und aus uns bewegen und leben, ist es sehr wichtig, dies Netzwerk zu stärken und gestalten. Durch diese Beziehungen konnten viele Ehrenamtliche gewonnen werden – aus anderen Kirchengemeinden, Vereinen und auch aus dem nahegelegenen Seniorenstift GDA. Sie sorgen für sehr stabile und förderliche Angebote für unsere Bewohne: in der Kleiderkammer, in der Fahrradwerkstatt, bei der Essensausgabe der Tafel, beim Schülerbistro oder bei den Sprachpaten. Ein weiteres ehrenamtliches Angebot hat sich in dem Jahr beständig weiterentwickelt, der Gesprächskreis für Männer mit starken psychischen Belastungen, die Traumagruppe. Einen herzlichen Dank an Michael Borkowski und Maria Mallender.

Was sagt ihr zum Stichwort Familiennachzug?
Unsere Sozialarbeiter hatten in diesem Jahr insbesondere viele Arbeitsaufträge durch Familienzusammenführungen syrischer Familien. In fast jeder dieser Familien gab es eine oftmals mehrjährige Trennung und einen harten Überlebenskampf von Frauen und Kindern in Flüchtlingslagern in Syrien, oder angrenzenden Ländern. Zumeist kam hinzu, dass die Familien zusätzlich belastet sind durch Krankheiten und Behinderungen.

In manchen Flüchtlingswohnheimen gibt es immer wieder Ärger. Kommt sowas auch bei euch vor?
Wir sind dankbar für Frieden in den beiden Häusern und die fortwährende Bereitschaft von haupt- und ehrenamtlich arbeitenden Menschen sich in dieser Arbeit einzusetzen. In diesem Zusammenhang auch mein Dank an die Mitglieder des Leitungskreises, die zum Teil die Arbeit schon über einen sehr langen Zeitraum begleitet.

Wie finden Geflüchtete ihren Platz in unserer Gesellschaft?
Zunächst mal müssen sie eine Wohnung finden, und das ist sehr schwer. Insgesamt hat sich die Problematik der Wohnungslosigkeit verschärft. Mittlerweile haben 50% unserer Bewohner ein mehrjähriges Aufenthaltsrecht und könnten ausziehen. Da sie jedoch keine Wohnungen finden, müssen sie im Heim verbleiben.

Gibt es Unterstützung vom Staat?

Erfreulich hat sich die Förderung für Geflüchtete insgesamt verändert. Es gibt heute eine sehr gute Versorgung mit Sprachkursen und Hilfen zum Einstieg in die Erwerbstätigkeit und Ausbildung. Dadurch hat sich das Leben vieler positiv verändert. Was jedoch weiterhin oftmals fehlt ist der persönliche Kontakt zu Deutschen. Ein besonderes Angebot hat uns auch im Jahr 2017 begleitet: Kurzausflüge, Besichtigungen und Aktionen mit Klaus Kalbau und Martin Reckweg. Auch euch einen herzlichen Dank.

Gelingt die Integration? Hörst du manchmal noch was von Ehemaligen?
Neulich bekam ich einen Anruf von einem ehemaligen Bewohner. Ich hatte lange nichts mehr von ihm gehört und mich manchmal gefragt, was aus diesem wilden Jungen wohl geworden ist. Und was erzählte er mir? „Vielen Dank für die Zeit im Flüwo! Es war so wichtig für mich! Ich bin viele Umwege gegangen, aber jetzt habe ich eine gute Arbeitsstelle und ich freue mich über meine Frau und meine Kinder.“ Gott ist gnädig und kommt zum Ziel.

 

Das Gespräch führte Ulrike Landt für „Gemeinde aktuell“, das Informationsblatt der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Hannover

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