Gott hat alles schön gemacht?

.

„Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt;
nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.“

Aus der Bibel, Buch Prediger 3,11 

Er = Gott hat alles schön gemacht! Wirklich? Und alles zur rechten Zeit? Wo ist der Regen in den letzten Wochen geblieben, den die Felder gebraucht haben? Und in Bezug auf die Waldbrände im Sommer, die manchen Menschen die Existenz gekostet haben und große Landstriche zerstört haben, rufe ich auch nicht „Toll gemacht!“. Die Liste kann ich beliebig fortsetzen.

Aber vielleicht bin ich gerade auf die falsche Spur geraten und der Schreiber will mir gar nicht alles für gut verkaufen. In den ersten 10 Versen des Kapitels schildert der Schreiber nämlich zunächst seine Lebenserfahrung. „Alles hat seine Zeit“ heißt es dort, was er in aller Ausführlichkeit immer wiederholt. Damit beschreibt er die Realität des Lebens. Es gibt Höhen und Tiefen. Diese wechseln sich nicht automatisch nach dem Prinzip „auf Regen folgt der Sonnenschein“ ab, sondern es ist eine Erfahrung des Lebens, das immer wieder beides vorkommt: Geboren werden und sterben, lachen und weinen, Streit und Frieden.

Und dann schwenkt der Schreiber um auf die andere Seite: Nach dem Blick auf den Lebensalltag schaut er auf seinen Gott und gibt ein Glaubensbekenntnis ab. Gott ist derjenige, der das Geschehen in der Hand hat. Der auf Nacht wieder Tag folgen lässt, der nach dem Winter wieder Sommer werden lässt, der die Früchte auf dem Feld wachsen lässt. Er weiß um einen Gott, dessen Handeln einfach ein „Gut“ oder „Schön“ verdient. Und bei diesem Gott gibt es mehr als diese Zeit, sondern auch eine Ewigkeit.

Und dann ist aber auch Schluss. Der Schreiber gibt zu, dass er an Grenzen kommt: Der menschliche Verstand kann nicht alles begründen. Das ist ein starkes Eingeständnis, wenn ich bedenke, dass es sich beim Schreiber um den König Salomo gehandelt haben kann. Salomo war bekannt für seine Weisheit, von nah und fern sind Menschen deswegen zu ihm gekommen. Und dieser gescheite Mann gibt zu, dass er an Grenzen kommt und nicht alles verstehen kann. Also gilt doch die Gleichung „glauben = nicht wissen“? Nein, das würde ich eher anders verstehen: Der Schreiber glaubt, dass es einen Gott gibt, bei dem alles Wissen ist.

Jetzt haben wir zwei Seiten gesehen: die Lebensrealität und das Glaubensbekenntnis. Beides bringt der Schreiber dann zusammen, er zieht ein Fazit für sein Leben: „So kam ich zu dem Schluss, dass es für den Menschen nichts Besseres gibt, als fröhlich zu sein und das Leben zu genießen. Wenn er zu essen und zu trinken hat und sich über die Früchte seiner Arbeit freuen kann, ist das Gottes Geschenk.“

Was für ein Fazit ziehen wir, wenn wir Gott und die Welt zusammenbringen wollen? Als wir in unserem Hauskreis den Text gemeinsam gelesen haben, haben wir uns zuletzt auch diese Frage gestellt, gerade mit dem Wissen um das Wirken Jesu: „Liebe leben, Ungerechtes/Böses verhindern und sich am Leben freuen.“ war die Antwort, die sich bei mir eingeprägt hat. Wie wird nun der vor uns liegende Monat? Welche Höhen und Tiefen stehen an? Wird das Leben wie erhofft gelingen? Gott möge uns allen dies schenken!

    Gerd Eibach, Mitglied der Gemeindeleitung