Hoffnung mitten hinein in die Hoffnungslosigkeit

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.“

Offenbarung 21,2

„Ich bau ’ne Stadt für dich aus Glas und Gold und Stein. Und jede Straße, die hinausführt, führt auch wieder hinein.“ So sangen im Jahr 2009 Cassandra Steen und Adel Tawil in ihrem Popsong „Stadt“. In diesem Lied – für jeden im Netz nachzu hören – entwirft die Sängerin in ihrer großen Liebe ein wunderbares Zuhause für ihren Partner, der in einer Welt voller Kälte und Resignation gefangen ist.

Liebe ist es, die mitten in Verzweiflung, Trostlosigkeit und Oberflächlichkeit Hoffnung gibt. Hoffnung auf Heimat, auf Geborgenheit, auf Glück. Und auf einen Ort, der immer wieder genau diese Hoffnung neu gibt.

Fast 2000 Jahr zuvor entwirft der frühchristliche Prophet Johannes das Bild der heiligen Stadt Jerusalem. Gemeint ist nicht das heutige Jerusalem, das immer wieder im Zentrum politischer und religiöser Konflikte steht. Sondern das neue Jerusalem, eine Stadt vom Himmel, von Gott gebaut, grundsätzlich gegensätzlich zu menschlichen Bauplänen, ist gemeint. Und deshalb wird sie heilig genannt, weil sie ganz und gar von Gott geschaffen ist. Er allein baut das neue Jerusalem.

In seiner Vision erinnert Johannes seine Gemeinde daran, dass Gott seinem Volk treu bleiben wird. Er selbst befindet sich in Gefangenschaft. Seine Offenbarung gilt den verfolgten Christen seiner Zeit. Sie gilt den Gemeinden in Kleinasien, die unter der Christenverfolgung leiden. Repressionen waren allgegenwärtig. Die Christen wurden ihres Glaubens wegen verfolgt und fühlten sich bedroht an Leib und Leben. Und das nachdem sie all’ ihre Hoffnung auf den neuen Messias gesetzt hatten.

„Haltet fest an Gott, denn er bereitet euch die wahre Heimat,“ so mag die Idee des Johannes sein. Ein Ort an dem alle Tränen getrocknet, an dem eine Quelle lebendigen Wassers strömt und Gottes Wohnung unter den Menschen sein wird. Ein Ort des Friedens mit Gott.

„Eure Zukunft sei Leben und nicht Tod,“ das mag er ihnen zugerufen haben. Gott wird festhalten an seinem heilvollen Ziel für die Menschen. So viel Hoffnung mitten hinein in die Hoffnungslosigkeit. In dem Songtext von „Stadt“ steht das so: „Ich bau‘ eine Stadt für dich und für mich. Eine Stadt in der es keine Angst gibt, nur Vertrauen. Wo wir die Mauern aus Gier und Verächtlichkeit abbauen. Wo jedes Morgenrot und jeder Traum sich lohnt. Und wo jeder Blick durch Zeit und Raum in uns’re Herzen fließt.“

Die Worte dieses Liebesliedes beschreiben für mich in zeitgemäßen Bildern einen wunderbaren Zukunftsentwurf. Hier entwirft eine Liebende dieses Bild für Ihren Partner. Wie ungleich größer und schöner muss das Bild ausfallen, das Gott, der uns in Liebe zugeneigt ist, für uns entwirft. Es wird – und darauf hoffe ich – der radikalste Gegenentwurf zu einer von Selbstbezogenheit, Ungerechtigkeit und Unfrieden geprägten Gesellschaft sein.

Aus dieser großen Hoffnung heraus kann ich Kraft gewinnen, kleine Schritte gegen Feindschaften in meinem persönlichen Umfeld zu gehen, ohne resignieren zu müssen. Da, wo ich meinem Nächsten in Liebe begegne, kann ich beginnen. „Ich bau ’ne Stadt für dich.“

Judith Borinski, Mitglied der Gemeindeleitung