Gastfreundschaft:
Was uns wirklich reich macht

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Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige,
ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.

aus: Die Bibel. Brief an die Hebräer, Kap. 13,2

Gastfreundschaft wurzelt in der Religion und zeigt sich in allen Kulturen der Welt als religiös fundierte Praxis, ja oft wird die Gastfreundschaft als hohes Gut verstanden und mit dem Verlust der Ehre bei Nichtachtung belegt. Die Definition in Wikipedia lautet: Die Gastfreundschaft ist die freundliche Gesinnung, die einem Besucher von seinem Gastfreund bei seiner Beherbergung, Bewirtung und Unterhaltung entgegengebracht wird.

Das Grundprinzip der Gastfreundschaft seit alters her ist wohl das der Gegenseitigkeit: Man erhofft sich selbst unter ähnlichen Bedingungen gastfreundliche Aufnahme. „Vergesst die Gastfreundschaft nicht“ – dieser Satz ist ein Erinnern an eine Tugend, eine barmherzige Handlung, die in unserer deutschen Kultur nur am Rande gepflegt wird. In Zeiten der Flüchtlingsströme, Ängsten vor Terror und Überfremdung fällt es im Rahmen der Gemeinde leichter, sich Fremden zu öffnen.

Willkommenskultur muss aber geübt und gewollt werden. Niederschwellige, spontane Angebote erleichtern den ersten Schritt, im miteinander reden, wandern und erleben entsteht Verbundenheit.

Was aber denken und wissen wir über die Engel? Nach der Auskunft der Bibel hätte die Botschaft von Gottes Gnade ohne himmlische Boten die Menschen nicht erreicht. Ohne den Besuch der drei Männer hätten Abraham und Sara von dem späten Segen mit einem Sohn nichts erfahren. Ohne die himmlischen Interpreten wäre die Geburt eines – wie man so sagt, unehelichen – Kindes in Bethlehem vor zweitausend Jahren ohne weitere Resonanz geblieben.

Ohne die Boten der Hoffnung hätten die ersten Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung das leere Grab nicht deuten können – ohne jene Boten, die sie nach dem Bericht des Lukasevangeliums vor die Frage stellten: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.“ Ohne die Zeugen für Gottes Gegenwart hätten die Apostel die Botschaft von der Freiheit der Kinder Gottes nicht am eigenen Leib erfahren – so wie Petrus, dem ein Engel den Weg aus dem Gefängnis weist.

Aber in all diesen Fällen sind die Engel wirklich Interpreten, Boten, Wegweiser. Sie öffnen die Verbindung zwischen Himmel und Erde – wie jene Engel, die Jakob im Traum erscheinen und auf einer Himmelsleiter auf und nieder steigen. Deren einzige Bedeutung ist es, auf Gott selbst hinzuweisen, der am obersten Ende der Himmelsleiter steht und sagt: „Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott.“

Engel weisen auf Gottes Einzigartigkeit hin. Sie treten nicht an seine Stelle, sie sind Boten für die Macht Gottes. Sie begegnen uns durch Menschen denen wir begegnen. Der Geist Gottes spricht durch bekannte und fremde Menschen zu uns. Das wollen wir ihm glauben und uns in Gastfreundschaft üben.

 

Beate Badel, stellv. Gemeindeleiterin