Jeden Monat finde Sie hier neue Anstöße, um genau das zu tun. Weiter darüber nachzudenken. Gedanken zu einem Bibelvers, Berichte von einem Erlebnis oder Worte der Ermutigung.
Bitte lesen. – Und weiter denken!
Zum Weiterdenken
Februar 2012
Meine Generation
Wir wollen eine Gemeinde für alle Generationen sein. Dieser Grundwert ist vor etwas über einem Jahr deutlich formuliert (siehe unsere Homepage) und bewusst von der versammelten Gemeinde angenommen worden. Jede Generation soll in dieser Gemeinschaft zu ihrem Recht kommen können, eine Stimme haben, etwas beitragen dürfen. Bei genauerer Betrachtung muss man allerdings sagen: Das ist mehr als ein gewagtes Unternehmen.
Manstelle sich nur vor: Die Beiträge von Krabbel- und Kindergartenkindern, die Lebens- und Glaubenswelt von Grundschülern, die Themen von Vorpubertären, die radikalen Fragen an Gott und die Welt von Teenies, die weiten Horizonte und hohen Hoffnungen junger Erwachsener, die Bedürfnisse der Menschen mitten im Arbeits- und Familienleben, die existentiellen Fragen in der Krise der Lebensmitte, der abgeklärte Blick derer, die auf der Höhe ihrer beruflichen Laufbahn stehen, die Ängste und Freiheiten der jungen Ruheständler, die Frage nach dem eigenen Beitrag zum Leben der wiederum Älteren, die Fragen an das Lebensende der ganz Alten ... und das alles sind nur ein paar wenige Themen, die Menschen der verschiedenen Generationen mitbringen. Und alles das und mehr soll in unserer Gemeinde Raum haben?!?
Man könnte auch sagen, wir hier in unserer Gemeinde wollen Tod und Leben, Hoffnung und Zynismus, Realitätssinn und Schwärmerei, Zukunftsorientierung und Vergangenheitssehnsucht zusammenhalten, zur Sprache kommen lassen. Ja, das wollen wir. Wir wissen nicht erst seit der Erfindung der Mehrgenerationenwohnprojekte (die wirklich eine gute Idee sind!), dass jeder Jüngere einen Alteren braucht, um gesund in die nächste Lebensphase zu kommen – und dass jeder Ältere einen Jüngeren braucht, weil in ihm ungezügelter Lebensmut ansteckend lebt.
Aber: Wer diese hehren Ziele ernst nimmt, der muss sich fragen lassen: Wie soll das bloß funktionieren? Ihr werdet immer eine ganze Reihe von Lebensphasen nicht berücksichtigen! Und die Antwort muss sein: Ja, das stimmt. Wahrscheinlich haben wir nicht in letzter Konsequenz durchdacht, was der Wert einer Gemeinde aller Generationen mit sich bringt. Wir können nur sagen: Als Maßstab soll es immer richtungweisend bleiben – oder werden. Wir wollen uns gegenseitig in den verschiedenen Altersgruppen sehen und ernst nehmen. Wir wollen anerkennen, dass wir auch jünger waren und die Welt anders sahen, und genauso, dass wir älter werden und die Welt anders sehen werden. Die Mehrgenerationengemeinde lebt also von der Erkenntnis: Meine Sicht auf das Leben an sich und auf das Leben in einer Gemeinde ist nicht die einzig richtige oder einzig mögliche. Weder in der Weise, wie die Bibel gelesen wird, noch in der Weise, wie eine Gemeinde zu leiten und zu organisieren ist. Kein Beitrag ist absolut richtig – darum brauchen wir einander. Daher darf sich – bitte! – keine Generation aus dem Leben der Gemeinde herausziehen. Nicht nur die Gemeinde als eine der wenigen Gemeinschaften unserer Kultur, in der Mehrgenerationenleben noch gelebt wird, verarmt – auch die Generation, die „aussteigt“ verliert. Wir leiden aneinander und wir brauchen einander.
Nun ist eine Willensbekundung und ein Appell das eine – die Umsetzung in kleiner, alltäglicher Münze des Gemeindelebens allerdings etwas ganz anderes. Unser Vater im Himmel möge uns Segen dazu schenken – und viel Geduld. Im gerade beginnenden Jahr – und noch weit darüber hinaus.
Lieber Gruß,
Henning Großmann





