Impuls

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
(aus der Bibel, Buch des Propheten Hesekiel, Kap. 36,26)

Es ist zwar unhöflich, Geschenke abzulehnen (und mir hat man beigebracht, Geschenke freundlich und mit Dankeschön anzunehmen …), aber es ist grundsätzlich möglich: „Brauche ich nicht – will ich nicht – habe ich schon – dagegen bin ich allergisch!“ Das Herz und der Geist, die Gott verschenken will, können allerdings nicht unausgepackt auf den Tisch liegen bleiben oder mit dem Vermerk: „Zurück an den Absender“ wieder zurückgeschickt werden. Denn die Annahme dieses Geschenks ist verpflichtend. Es kommt – und Gott sorgt dafür, dass es ausgepackt und genutzt wird.

Dass das so ist, wird deutlich, wenn man sich Gottes Rede anschaut, in der dieser Satz zu finden ist (Hesek. 36, ab Vers 16). Man könnte diese Rede vergleichen mit Eltern, die in ihrer Erziehung an folgendem Punkt angekommen sind: Sie haben lange versucht, ihrem Kind etwas beizubringen. Dabei sind sie völlig erfolglos geblieben, obwohl sie alle pädagogischen Kniffe und Tricks aus der Erziehungskiste gezogen haben. Nun ist die Geduld am Ende – und jetzt machen sie die Hausaufgabe selbst.

Naja. Fast. Das Ende stimmt nicht, weil es nach dem biblischen Text eher so weitergehen müsste: Dass nämlich die Eltern einfach ihr Wissen und Wollen kopieren und in das Hirn des Kindes einpflanzen/programmieren, so dass es jetzt besagte Hausaufgaben mit Leichtigkeit lösen kann. Zwangsverbesserung – upgrade. Klingt nicht wirklich gut. Aber ungefähr so ist es zu verstehen: Über Jahre – Jahrhunderte sogar – hat Gott versucht, seinen Leuten (den Israeliten) seine Liebe beizubringen. Sie sollten so leben, dass es ihnen und allen im Land gut geht – Nächstenliebe. Und natürlich sollten sie Gott lieben. Und wie unsere Eltern im Beispiel hat auch Gott alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel genommen, um seinen Menschen das gute Leben zu lehren.

Aber die waren ziemlich beratungsresistent – in deren Herz und Hirn ging nichts rein. Und darum – so erzählt es der Text – nimmt Gott es jetzt in die Hand. Er macht es einfach, dass die Menschen sich wirklich verändern. Neues Herz – neuer Geist. Grundveränderung der Software. Neustart. Das ist nicht nur ein Geschenk. Es ist eine Ansage! So wird’s! Keine Widerworte – sondern Gottes Macht-Wort.

Hm. Klingt… bedingt gut. Einerseits ist es genau das, was wir Menschen uns in Krisensituationen oft wünschen: Herr, tu doch was! Verändere die Weltpolitik! Greif ein! Verändere das Herz dieser Menschen, die …. ach, es ist zuviel, um aufzuzählen, was an Furchtbarem aus so vielen Menschenherzen kommt und was gern zwangsverbessert werden darf. Wie gern würden wir Gott die Freigabe geben, bei manchem fundamental in sein Wesen einzugreifen: Ein Herz, das lebt und in Liebe für andere schlägt. Pflanz ein, Herr! Und vertreib den Geist des Todes und der Verachtung – und füll aus mit Deiner Gegenwart!

Andererseits: wenn es an mich selbst geht, sage ich: Stopp! Ich würde doch lieber selbst entscheiden, was mit mir passiert! Also so einfach „umprogrammieren“ will ich mich nicht lassen. So schlimm bin ich doch gar nicht! Und: Wozu habe ich denn meinen freien Willen, wenn Du mir dann doch wieder etwas aufdrückst, Gott?

Der Satz oben ist die Jahreslosung für das Jahr 2017. Und ich weiß schon eine Menge Menschen, für die ich beten werde – für ein neues Herz – einen neuen Geist. Die brauchen das. Aber ich selbst vernagle das Tor zu meinem Herz und zu meiner Seele. Bei mir geht’s doch noch. Aber bei den anderen musst Du dringend eingreifen, Herr! … Zum Weiterdenken.

Ich bete: Lieber Vater, einmal im Leben will ich es ehrlich meinen: Nimm mein Herz und setz hinein, was Du möchtest. Ob ich in diesem Jahr erleben werde, dass ich so bete?

Henning Großmann (Pastor), E-Mail: henning.grossmann@efgadt.de

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